Von Nachhaltigkeit zu Resilienz: Was wirklich zählt

Lange Zeit konzentrierten sich die Nachhaltigkeitsdebatten hauptsächlich auf den Klimawandel. Heute erscheint die Situation komplexer und fragiler. Vergangene und potenzielle künftige Pandemien, Kriege in Europa und auf der ganzen Welt, geopolitische Spannungen und zunehmender Druck auf die demokratischen Systeme haben einen spürbaren Einfluss auf unser tägliches Leben. Sie bestimmen, wie Städte funktionieren, wie Unternehmen arbeiten und wie die Menschen die Welt, in der sie leben, erleben.

In diesem Zusammenhang rückt ein Konzept in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: die Resilienz.

Nicht nur ein weiteres Modewort

Der Begriff "Resilienz" kommt ursprünglich aus dem Lateinischen resilireund bedeutet "zurückfedern" oder "zurückprallen". Der Begriff wurde zunächst verwendet, um die Fähigkeit eines Materials zu beschreiben, nach einer Belastung wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Heute bezieht sich Resilienz auf die Fähigkeit von Menschen, Organisationen und Städten, Krisen zu überstehen, sich anzupassen und zu erholen.

Der Begriff "Resilienz" wird oft lose verwendet, doch seine Bedeutung ist real. Und so ist sie zu einem wichtigen Hebel für die Förderung der Nachhaltigkeit in Städten und Gesellschaften geworden.

Warum? Weil Resilienz das ist, was Systeme unter Druck zusammenhalten lässt. Sie ermöglicht es uns, auf Krisen zu reagieren, weiterhin zu funktionieren, uns anzupassen und trotz Krisen voranzukommen.

Dabei geht es nicht mehr nur um Klimaschutz oder langfristige Nachhaltigkeitsziele. Es geht darum, sicherzustellen, dass unsere Gesellschaften, Infrastrukturen und Volkswirtschaften stabil und handlungsfähig bleiben in einer zunehmend unsicheren Welt.

Wo Nachhaltigkeit und Resilienz aufeinandertreffen

Es wird deutlich: Nachhaltigkeit und Resilienz sind eng miteinander verbunden.

Gesunde Ökosysteme zum Beispiel haben einen direkten Einfluss darauf, wie anfällig wir für solche Risiken sind. Die Natur hilft bei der Wasserregulierung, puffert Wetterextreme ab und stabilisiert die lokale Umwelt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Arbeit mit der Natur ist daher nicht nur gut für "klassische Nachhaltigkeitsthemen" wie Biodiversität, sondern auch ein sehr praktischer Weg, um die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft zu stärken - und somit auch das Überleben in Zeiten von Katastrophen oder existenziellen Krisen.

Das Gleiche gilt für die Kreislaufwirtschaft. Der Verbleib von Materialien im Nutzungskreislauf, die Verringerung der Abhängigkeit von globalen Lieferketten und die Gestaltung von Systemen zur Wiederverwendung und Reparatur tragen alle zu größerer Autonomie und Stabilität bei. Erneuerbare Energien spielen eine ähnliche Rolle, indem sie die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken und globalisierten, meist fossilen Energieversorgungsketten verringern.

Resilienz ist in diesem Sinne nicht etwas von der Nachhaltigkeit Getrenntes, sondern eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit angesichts ständiger Störungen greifbar und robust zu machen.

Foto: (c) Juliane Hermann

Resilienz wird gemeinsam aufgebaut

Gleichzeitig ist Resilienz nicht etwas, das sich isoliert entwickeln lässt.

Städte, Unternehmen und Gemeinden sind eng miteinander vernetzt, und wenn ein Teil des Systems unter Druck gerät, breiten sich die Auswirkungen schnell aus. Kritische Infrastrukturen für Wasser, Lebensmittelsysteme, Mobilität oder Gesundheitsdienste sind auf die Koordination vieler verschiedener Akteure angewiesen.

Aus diesem Grund ist Resilienz nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vor allem eine soziale.

Sie erfordert Vertrauen, gemeinsames Verständnis und die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln. Es braucht Menschen, die wissen, was zu tun ist, wie man kommuniziert und wie man sich gegenseitig unterstützt, wenn es darauf ankommt. Kurzum: Resilienz lebt von Beziehungen.

Von der Strategie zum Menschen

Viele Organisationen arbeiten bereits an Resilienzstrategien, aber Strategien allein reichen nicht aus.

Resilienz wird nur dann wirklich, wenn die beteiligten Menschen sie erleben können. Wenn sie einbezogen werden, wenn sie ihre Rolle verstehen und wenn sie aktiv zum Wandel beitragen können. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie Teil der Transformation sind, anstatt das Gefühl zu haben, dass ihnen Veränderung aufgezwungen wird.

Hier sehen wir einen entscheidenden Wandel in unserer Arbeit: von der Planung von Transformationen zum tatsächlichen Erleben und Handeln.

Was das für unsere Arbeit im co-do! lab bedeutet

Im co-do lab prägt dieses Verständnis die Art und Weise, wie wir den Wandel angehen. Beim CSCP, unserer Mutterorganisation, steht die Nachhaltigkeit seit 20 Jahren im Mittelpunkt unserer Arbeit. Mit dem co-do lab begrüßen wir nun die Idee der Resilienz als Katalysator für Transformation.

Wir arbeiten mit Unternehmen, Städten und der Gesellschaft zusammen, um Wege in eine bessere, nachhaltigere Zukunft zu schaffen. Und das bedeutet ganz konkret, die Resilienz zu erhöhen.

Wir tun dies, indem wir jeden Schritt auf dem Weg dorthin unterstützen: Wir entwickeln Strategien, die Organisationen helfen, die Komplexität zu bewältigen; wir schaffen Gemeinschaften, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und gemeinsame Verantwortung aufbauen; wir konzentrieren uns darauf, die Menschen mitzunehmen, denn der Wandel funktioniert nur, wenn er verstanden und unterstützt wird; und wir gestalten Prozesse, die den Wandel greifbar und erlebbar machen, so dass er über Konzepte hinaus in die Praxis umgesetzt wird.

Ein Ort, an dem dies sichtbar wird, ist Gut Einern,das Zuhause von co-do lab. Es ist mehr als nur ein innovativer Lernort. Es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie nachhaltige Systeme mit Blick auf die Widerstandsfähigkeit gestaltet werden können. Ressourcen werden wiederverwendet, wo immer es möglich ist, Kreisläufe werden geschlossen, und die Idee der Kreislaufwirtschaft wird nicht theoretisch, sondern im Alltag gelebt.

Gut Einern zeigt, dass Resilienz kein abstraktes Konzept ist. Sie kann aufgebaut, erfahren und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Wir machen das gemeinsam

Wenn es eine Sache gibt, die der gegenwärtige Moment deutlich macht, dann ist es diese: Wir können diese Herausforderungen nicht allein bewältigen.

Resilienz entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, wo Systeme als Ganzes betrachtet werden und wo gemeinsam gehandelt wird.

Im co-do lab und dem CSCP arbeiten wir seit über 20 Jahren an dieser Schnittstelle, bauen Brücken zwischen verschiedenen Akteuren, fördern die Zusammenarbeit und schaffen Räume, in denen Veränderungen möglich werden.

Denn letztlich geht es bei der Resilienz nicht nur darum, Krisen zu überstehen. Es geht darum, eine Zukunft zu gestalten, in der das Leben trotz Krisen gedeihen kann.

Lass uns mit vereinten Kräften die vor uns liegenden Herausforderungen und Veränderungen meistern.

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